Neurodiversität & Queerness

Neurodiversität und Queerness sind Themen, die für immer mehr Menschen im Alltag, in Beziehungen und in Konflikten eine wichtige Rolle spielen. Sie brauchen oft einen besonders aufmerksamen und empathischen Blick, damit unterschiedliche Erfahrungen, Bedürfnisse und Perspektiven fair berücksichtigt werden können.

Warum das gerade in Mediation und Konfliktberatung relevant sein kann und worauf ich dabei achte, erfahrt ihr hier.

Neurodiversität beschreibt die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Kommunikation. Dazu werden häufig zum Beispiel Autismus und ADHS gezählt. Der Begriff richtet den Blick darauf, dass Menschen Situationen unterschiedlich wahrnehmen, Reize verschieden verarbeiten und andere Bedürfnisse in Kommunikation, Struktur oder sozialem Miteinander haben können. Diese unterschiede sind nicht pauschal als Defizit zu verstehen, beeinflussen aber manchmal, wie ein Gespräch geführt werden sollte oder können sogar Thema des Konfliktes sein.


Queerness ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche sexuelle Orientierungen, geschlechtliche Identitäten und Lebensweisen, die nicht oder nicht vollständig traditionellen Vorstellungen von Geschlecht und Partnerschaft entsprechen. Dazu können zum Beispiel lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche oder nichtbinäre Lebensrealitäten gehören. Für viele Menschen ist „queer“ dabei nicht nur eine Beschreibung, sondern auch eine selbstgewählte Identität; andere verwenden den Begriff für sich bewusst nicht. Auch bei queeren Lebensrealitäten können Erfahrungen, Rollenbilder oder gesellschaftliche Erwartungen eine besondere Rolle im Konflikt spielen.

Konflikte entstehen nicht im luftleeren Raum. Unterschiedliche Kommunikationsweisen, Erwartungen, Rollenbilder oder Erfahrungen mit Ausgrenzung können beeinflussen, wie eine Situation erlebt und bewertet wird. In Mediation und Beratung ist deshalb wichtig, solche Unterschiede nicht vorschnell als mangelnde Kooperation, Unhöflichkeit oder Überempfindlichkeit zu interpretieren. Ein sensibler Blick auf individuelle Bedürfnisse und Lebensrealitäten kann helfen, Missverständnisse besser einzuordnen und einen Rahmen zu schaffen, in dem alle Beteiligten fair gehört und ernst genommen werden.

Mir ist dabei wichtig, auf die Bedürfnisse und Themen der beteiligten Personen gezielt einzugehen. Wie müssen wir unser Gespräch gestalten, damit du dich darauf einlassen kannst? Welche Unterstützung brauchst du, um gut an einer Mediation oder Beratung teilnehmen zu können? Und wie können wir dafür sorgen, dass du deine Perspektive verständlich machen kannst, ohne dass deine Identität oder Besonderheiten selbst zum Problem erklärt werden?

Ich beschäftige mich als Psychologe wissenschaftlich mit menschlicher Entwicklung und arbeite professionell mit Konflikten und Kommunikation. Gleichzeitig weiß ich aus eigener Perspektive, wie wichtig es sein kann, nicht in jede gesellschaftliche Schablone zu passen. Diese Erfahrung prägt meinen Blick auf Menschen – ohne dass sie im Gespräch zum Thema werden muss.

Mediator in Lübeck Robin Nehler bietet psychologische Beratung und Mediaton an

Häufige Fragen zu Neurodiversität:

Ist Mediation auch für Menschen mit ADHS oder Autismus geeignet?

Ja – vielleicht sogar besser als man denkt. Mediation folgt einer planbaren und vorhersehbaren Struktur, in dem klare Regeln besprochen werden können. Gleichzeitig wird das Gespräch von mir als Mediator geleitet und ich helfe euch dabei, eure Sichtweise richtig zu kommunizieren.

Dadurch hilft Mediation meiner Meinung nach, Konflikte zu klären, die manchmal alleine viel schwerer wären.

Muss ich eine Autismus- oder ADHS-Diagnose haben?

Nein. Für Beratung oder Mediation ist keine Diagnose notwendig. Eine Diagnose zu bekommen ist in Deutschland nicht einfach und je nach Person auch nicht immer gewünscht. Wichtig ist, dass wir gemeinsam die Rahmenbedingungen schaffen, mit denen du dich wohl fühlst.

Was bedeutet neurodiversitätssensible Mediation?

Darunter verstehe ich eine Mediation, in der ich als Mediator Verständnis für deine konkrete Situation habe, individuelle Bedürfnisse und Kommunikationsweisen berücksichtige und dabei helfe, dass du dich richtig verständlich machen kannst.

Ist Online-Mediation sinnvoll?

Das kann sehr gut funktionieren. Für manche Menschen bietet das vertraute Umfeld zuhause mehr Ruhe und Kontrolle über Reize; andere bevorzugen ein persönliches Treffen. Welches Format besser passt, hängt von der jeweiligen Person und Situation ab.

Was ist, wenn sich nur eine Person als neurodivers versteht?

Das ist kein Problem. Gerade unterschiedliche Kommunikations- und Wahrnehmungsweisen können aber Missverständnisse verstärken. In der Mediation können wir gemeinsam herausarbeiten, wo solche Unterschiede eine Rolle spielen und wie Kommunikation für alle Beteiligten verständlicher werden kann. Der Kontext kann dabei sowohl privat, als auch beruflich sein.

Kann Mediation bei Konflikten in einer Beziehung mit ADHS oder Autismus helfen?

Ja, wenn beide Seiten bereit sind, sich auf ein gemeinsames Gespräch einzulassen. Mediation kann helfen, unterschiedliche Erwartungen, Kommunikationsweisen und Bedürfnisse sichtbar zu machen und daraus konkrete Vereinbarungen zu entwickeln. Sie ersetzt jedoch keine Therapie oder Diagnostik.

Kann ich besondere Bedürfnisse vor dem Termin mitteilen?

Ja, gerne. Wenn du beispielsweise Pausen brauchst, bestimmte Kommunikationsformen bevorzugst, Schwierigkeiten mit spontanen Fragen hast oder andere Rahmenbedingungen hilfreich wären, kannst du mir das bereits bei der Kontaktaufnahme mitteilen.

Welche konkreten Anpassungen wir umsetzen können, entscheiden wir zu Beginn der Mediation mit allen

Was passiert, wenn mir ein Gespräch zu viel wird?

Dann können wir pausieren, den Ablauf verändern oder gemeinsam überlegen, wie das Gespräch sinnvoll fortgesetzt werden kann. Mediation soll Beteiligung ermöglichen und nicht dadurch funktionieren, dass jemand eine Situation einfach „aushalten“ muss.

Häufige Fragen zu Queerness:

Ist meine Beratung oder Mediation queerfreundlich?

Ja. Unterschiedliche sexuelle Orientierungen, geschlechtliche Identitäten und Beziehungsformen werden in meiner Beratung und Mediation selbstverständlich respektiert. Ihr müsst euch oder eure Lebensweise dabei nicht rechtfertigen oder erklären, sofern sie für das konkrete Anliegen nicht relevant ist.

Ich möchte zu Bedenken geben, dass in der Mediation nicht pauschal Verbote oder Regeln für den Umgang unter Medianten gilt – heißt, wie ihr miteinander redet. Sollte gewünscht sein, das sprachlich auf Besonderheiten geachtet wird, um lösungsorientiert miteinander zu reden, dann klären wir das zu Beginn einer Mediation.

Muss Queerness Thema der Beratung oder Mediation sein?

Nein. Sie kann eine Rolle spielen, muss es aber nicht. Ihr entscheidet selbst, welche Aspekte eurer Identität oder Lebenssituation für den Konflikt relevant sind und worüber ihr sprechen möchtet.

Berate ich auch gleichgeschlechtliche Paare oder queere Familien?

Ja. Paar-, Familien- und Konfliktberatung richtet sich unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität oder Familienform an Menschen, die gemeinsam an einem Anliegen arbeiten möchten.

Ist Mediation auch für polyamore oder andere nicht traditionelle Beziehungskonstellationen möglich?

Grundsätzlich ja. Für eine Mediation ist entscheidend, wer an dem Konflikt beteiligt ist und wer für eine mögliche Vereinbarung relevant ist – nicht, ob eine Beziehung einem bestimmten traditionellen Modell entspricht.